Presseerklärung des AIV
Presseerklärung des AIV Hanau
HA 8.6.2009
Presseerklärung AIV Hanau
Auf Einladung des Architekten- und Ingenieurverein Hanau (AIV) fand dieser Tage ein Gedankenaustausch zwischen lokalen Stadtplanern, Architekten und Fachplanern zu den Investorenentwürfen statt, die im Rahmen des Wettbewerblichen Dialogs eingereicht wurden. Zu Gast war dabei auch der Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung und Bürgerservice, Martin Bieberle. Wesentliches Ergebnis des Treffens war die übereinstimmende Forderung, dass die konkreten Bauvorhaben über später auszulobende Architektenwettbewerbe zu realisieren sind, um die für die Brüder-Grimm-Stadt von allen erhofften Qualität einer neuen Innenstadtgestaltung zu erreichen.
Einig in der Einschätzung, dass alle Arbeiten auf einem hohen Planungsniveau angesiedelt sind,
stand bei den Fachleuten in erster Linie die Qualität der städtebaulichen Strukturen im Vordergrund der Bewertung, da allgemein die Auffassung vorherrschte, dass es sich bei den architektonischen Vorschlägen lediglich um Anregungen und „Platzhalter“ handele. Vor diesem Hintergrund erwartet die Gruppe des AIV, dass die letztlich erfolgreiche Investorengruppe zu den einzelnen Bauaufgaben wie Hotel, Brüder-Grimm-Kulturzentrum oder Freiheitsplatz- und Marktplatzbebauung jeweils einzelne Architektenwettbewerbe ausloben wird. „Wir sind überzeugt, dass dies eine unabdingbare Vorgabe in den anstehenden Verhandlungen zwischen Stadt und Investoren sein sollte,“ erklärte Architekt Ulrich Wagner als Vorsitzender des AIV. Überraschend einhellig waren auch die Präferenzen, die sich in dem rund zweistündigen Austausch bei der Bewertung der einzelnen Arbeiten ergaben.
Die überwiegende Mehrheit der anwesenden Planer erkannte in dem Entwurf der Gruppe ING/3W insbesondere für die Bebauung des Freiheitsplatzes denjenigen Ansatz, der ein Maximum an städtebaulichen Qualitäten und zukünftigen Entwicklungschancen anbietet.
Wie Ulrich Wagner für den AIV erläuterte, sehen die Fachplaner unter Anderem folgende positive Ansätze:
Der Entwurf sieht einen Freiheitsplatz mit einem räumlich optimalen Zuschnitt in der städtebaulich richtigen Platzfolge von Französischer Allee und Marktplatz vor. Die Gestaltung, die dem Karstadtgebäude richtigerweise eine überaus prominente Lage zubilligt, vermittelt in der Wahrnehmung des neuen Platzes zwischen gewachsener Stadt und neuer Bebauung.
Unter Erhalt des wertvollen Baumbestandes im Westen entsteht nur bei diesem Entwurf eine attraktive Anbindung der Bangertstraße mit ihrem in jüngerer Zeit entstandenen gehobenen Einzelhandelsangebot an die Hauptfrequenzen der Innenstadt. Außerdem vermeidet der 3W-Entwurf mit der geschickten Anordnung von Funktionen sogenannte „Rückseitenentwicklungen“ im Bereich der jetzigen Platzkanten. Gerade diese Problematik erscheint dagegen bei den übrigen Entwürfen teilweise ungelöst: Teilbereiche der derzeitigen Platzkanten des Freiheitsplatzes drohen durch die Bebauungen von MAB, HBB und ECE zu neuen „1 B Lagen“ zu degenerieren, was insbesondere für die sensible Nordseite im Übergang zur Altstadt fatal wäre.
Durch die Sperrung der Nordseite für den Individualverkehr und die Anlage der von vielen anwesenden Planern trotz verkehrlicher Detailprobleme als „genial“ charakterisierten Buslösung kann an der Nahtstelle zur Altstadt eine intensive und barrierefreie Publikumsfrequenz entstehen, die Voraussetzung für eine Belebung der Altstadt ist.
Als einziger Entwurf schlägt 3W mit dem Bauvolumen des „Kulturwürfels“ einen Lösungsansatz für die städtebaulich schwierige, weil zergliederte Nordostecke Freiheitsplatz / Eingang Nordstraße vor. Alle anderen Entwürfe belassen die heutige unbefriedigende Situation mit fehlenden Raumkanten.
Ausdrücklich wurde die jüngst geäußerte, planerisch jedoch völlig abwegige Argumentation kritisiert, die die Qualität der Entwürfe anhand der bebauten bzw. nicht überbauten Fläche des derzeitigen Freiheitsplatz misst. „Der auf diese Weise dann fast zwangsläufig zu favorisierende Entwurf von ECE stellt nach Ansicht zahlreicher Anwesenden in der dargestellten und auch durch die Investoren unmissverständlich kommunizierten Rigidität gegenüber Belangen der gewachsenen Stadt ein schwer kalkulierbares Risiko dar,“ so Wagner abschließend.
Der AIV Hanau existiert seit 1953. In ihm sind Architekten und Bauingenieure aus freien Berufen, Verwaltungen und Gewerbe organisiert. Im Vordergrund der Vereinsarbeit steht die interdisziplinäre Auseinandersetzung mit Themen des Bauens in Kultur, Technik, Gesetzgebung und Ausbildung/Lehre.
Ulrich Wagner, 1.Vorsitzender des AIV Hanau
Architekten- und Ingenieurverein Hanau eV
Mittelstr 14
63454 Hanau
c/o Dipl-Ing Ulrich Wagner