HA Glassen 090418
Es war einmal ein Freiheitsplatz,
HA 18.4.2009Leserbrief von Yvonne Glassen, Gründau
Es war einmal ein Freiheitsplatz, der zugebenermaßen etwas in die Jahre gekommen war. Seit langer Zeit sollte er schon umgestaltet werden. Unzählige Versammlungen haben stattgefunden, bei denen die Bürger Ihre Wünsche äußerten. Mehr Grün, Blumen und.... auch Springbrunnen wären schön. Von einer massiven Bebauung war nie die Rede. Eventuell ein Gebäude vor dem Karstadt-Barthel-Haus auf der Westseite. Das kam aber bei der Stadt beziehungsweise den Investoren nicht so gut an. Kann man doch mit einer massiven Bebauungsfläche mehr verkaufen und vielleicht auch mehr verdienen. Also kam der wettbewerbliche Dialog gerade rechtzeitig.
Dabei wurde den Investoren vorgegeben, fünf Plätze in der Innenstadt neu zu gestalten. Es mussten eine Bibliothek und ein Grimm-Museum in deren Planung enthalten sein. In dieser neuen Planung werden viele ältere Gebäude abgerissen und viele Neubauten sollen entstehen. Gerade bei diesen fünf Plätzen muss eine sensible Gestaltung und Bebauung erfolgen. Die Gebäude die abgerissen werden sollen, sind zirka 40-50 Jahre alt und galten damals als modern und waren von der Stadt so genehmigt und in der Art der Bebauung auch vorgeschrieben. Doch auch Gebäude sind heute der Mode unterworfen. Neue Gebäude werden in ebenso vielen Jahren auch altmodisch erscheinen.
Ich bin selbst am Freiheitsplatz aufgewachsen und habe dort sehr lange gewohnt, weil dort mein Elternhaus steht. Mir ist der Platz nie als zu groß erschienen. Er trennt auch nicht die Neustadt von der Altstadt, sondern er lässt den Blick von der Altstadt auf die Neustadt zu und umgekehrt. Vom Blick auf das jetzige Behördenhaus ganz zu schweigen. Das alte Zeughaus wurde als Ruine noch in den 50er Jahren entfernt - wie auch das Schloss und das Stadttheater: Hätte das Brüder-Grimm-Haus noch als Ruine gestanden, dann wäre es wohl auch abgerissen worden. Mit vielen Bekannten und Anwohnern am Freiheitsplatz habe ich gesprochen, keiner fand eine massive Bebauung in Ordnung. Diese wird jetzt aber von zwei der vier Investoren vorgesesehen.
Es gab keine Modelle im CPH zu sehen, nur eine Simulation. Auf dieser sehen die neuen Gebäude im Hintergrund schön klein aus und die flanierenden Menschen im Vordergrund schön groß. Wie das so im Märchen ist. Aber in Wirklichkeit bleiben bei zwei Investoren nur klietzekleine Grünflächen übrig. Auf die Frage, wo denn der Markt abgehalten werden soll, wenn zur Weihnachtszeit der Weihnachtsmarkt auf dem Marktplatz stattfindet: in den Straßen rund um den Freiheitsplatz oder...keine Antwort. Es ist andauernd von "historischen Momenten" die Rede, aber Respekt vor historischen Bauten fehlt total. In Frankfurt zum Beispiel reißt man das Technische Rathaus ab, weil man eingesehen hat, dass es zu groß ist und die Sicht auf den Dom und die Rest-Altstadt versperrt.
Es wird eine "kleinteilige Bebauung" gewünscht (keine Fachwerkidylle). Aber in Hanau gehen die Uhren anders: Man kann ja erst mal eine Großbebauung zulassen und unsere Urenkel dürfen dann wieder abreißen. Nihcts gegen neue Gebäude und Einkaufszentren, aber da gibt es in Hanau ja auch noch das Postcarre, den Knzigbogen und das City-Center: Für die übrige Innenstadt muss eine sensible Umgestaltung Pflicht für die Stadt und die Investoren sein. Nihct nur Euphorie statt Realismus, auch was die Kaufkraft in Hanau und die Verschuldung der Stadt Hanau angeht.
Bei einer Unterkellerung des Freiheitsplatzes für den Bau einer Tiefgarage kämen wohl auch noch einige Überraschungen ans Tageslicht: zum Beispiel alte Stadtmauerreste, alte Splittergräben, vielleicht die eine oder andere Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg und es müsste auf jeden Fall der Grundwasserspiegel abgesenkt werden. Also einfach Augen zu und durch? Es wird schon gut enden - wie im Märchen. Es wäre schade, wenn der Freiheitsplatz umgetauft werden müsste in "My Plätzi".
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Architekten- und Ingenieurverein Hanau eV
Mittelstr 14
63454 Hanau
c/o Dipl-Ing Ulrich Wagner